Saturday, June 18, 2016

ALLES HAT EINEN GRUND

I hatte nicht direkt geplant hierher zu kommen. Ich hatte von vielen Leuten gehört dass es ein Land der Drogen, militanter Polizei, Prostitution, Verrechen, Korruption, Kathoeys und Enttäuschung wäre. Oder vielleicht war da doch ein Grund hierher zu kommen? Andere Reisende erzählten Geschichten von schönen Mädchen, tollem Essen, netten Menschen, super Wetter und Buddhismus. Ja, genau genommen wollte ich doch hier sein!

Im Alter von bereits 18 Jahren hatte ich mir gesagt dass das Christentum nicht die passende Religion für einen Freidenker wie mich sei. Ich hatte im folgenden über viele Religionen gelesen und der Buddhismus machte für mich einfach den meisten Sinn. Eigentlich hatte ich mich dann aber mit meiner Reiseplanung in ein buddhistisches Land total vertan und wollte nach Indien reisen. Glücklicherweise berichtigte mich ein Freund und riet mir zu Thailand. Naja, geschichtlich gesehen war ich ja nicht so verkehrt gewesen und Indien hatte schon eine grosse Rolle im Leben des Siddharta Gautama gespielt aber Buddhismus ist in Indien nur noch eine Minderheitsreligion. Der Freund wies mich auch darauf hin dass Thailand ein sehr sicheres Land sei und wohl der beste Einstieg um südostasiatische Länder zu erkunden.

Ich erreichte am Abend des 26. August 1993 Don Muang International Airport in Bangkok. Ja, dies ist nun ein historisches Datum für mich an welches ich mich noch sehr gerne zurück erinnere. Ich hatte keine Absichten lange in der Hauptstadt des Landes zu bleiben und wollte noch am selben Abend nach Chiang Mai weiterreisen. Da war nur ein Problem, ich war noch nie in Thailand gewesen und würde Chiang Mai in der Dunkelheit erreichen. Der Zufall wollte es dass ich eine Sekretärin von einem deutschen Unternehmen traf welche mir vorschlug am nächsten Morgen gemeinsam in die Hauptstadt des Norden zu fliegen.

Wir fuhren gemeinsam zu einem Hotel aber die Funken fliegen nicht und nachdem wir Chiang Mai erreichten, trennten sich unsere Wege. Das machte mir auch nichts aus, spätestens dann nicht mehr als ich am zweiten Tag bereits eine schöne und intelligente Grundstück Maklerin traf und mit ihr und ihren Freundinnen ein paar Tage die Zeit vertreibte. Chiang Mai zu dieser Zeit war noch eine schüchterne, zurueckgehaltene Stadt die mich an den Wilden Westen denken liess. Es war ein grosser Unterschied zu der mittlerweilen hektischen Geschäftsstadt die Chiang Mai geworden ist.

Meine erste Erfahrung mit Thai Essen war nicht gerade überzeugend. Ich wollte es leicht und einfach angehen und bestellte mir eine Reissuppe zum Frühstück. Diese erste Erfahrung mit dem sogenannten Khao Tom entwickelte bei mir leider eine komplette Abscheu und Ekel für dieses eigentliche schmackhafte Mahl und eine erste Vorsicht gegenüber dem doch wundervollen thailändischen Essen. Ich hatte erwartet das Essen voll von Geschmack zu sein wurde aber bitter enttäuscht. Die Suppe war zu geschmacklos und das Fleisch in ihr war viel zu fettig und richtig zäh. Viel zu spät auf weiteren Reisen im Land lernte ich dass es wohl die Touristen Version von dem Khao Tom war. Ein richtig gutes Khao Tom kann meistens direkt an der Strasse gegessen werden. Dort wird einem die Reissuppe serviert und man kann sich die Zutaten selber auswählen. Diese werden dann in gesonderten Schüsselchen gereicht und jeder kann selbst entscheiden wieviel er in die Suppe mixt. Diese Zutaten sind dannn Gemüse, getrockneter Fisch, getrocknetes Fleisch und schmecken eigentlich richtig gut. In meinem Fall, bei meiner ersten Erfahrung, war leider alles schon lieblos in eine einzige Schüssel eingerührt. Leider sitzt diese erste Begegnung viel zu tief in mir so dass ich diese Speise immer noch nicht richtig geniessen kann. Somit kann ich allen Leuten, die nach Thailand reisen, nur raten wirklich Abstand von westlichen Restaurants zu nehmen. Es ist schon besser mit der örtlichen Bevölkerung an der Strasse zu speisen oder in wirklich traditionelle Restaurants zu gehen. Ich finde es nach meiner langen Zeit im Land einen Mythos, der von Reiseführern aufgebracht wird, dass man sehr vorsichtig beim thailändischen Essen sein soll. Wirklich vorsichtig sollte man nur vor Restaurants sein die versuchen thailändisches Essen auf eine westliche Art zu kochen.

Ich blieb drei Wochen in Chiang Mai und mir wurde es langweilig weil sich nichts mit dem Mädel und mir entwickelte. Ein paar Thai Künstler bekamen meine Freunde mit denen ich die meisten Nächte im Bar Beer Center Snooker spielte und mich sinnlos betrank.. Unsere bevorzugten Getränke waren Saeng Som und Horng Thorng welches weder ihrer Bezeichnung nach Whiskeys sind sondern eher Rum. Diese bräunlichen Spirituosen haben noch nicht einmal im entferntesten Sinn etwas mit Whiskey zu tun. Da gibt es natürlich noch die zwei thailändischen Spirituosen Moonshine und 40 Ongsah aber diese sind weder Rum noch Whiskey sondern nur leichter Brennspiritus. Selbst wenn das Budget echt am Boden ist und ihr euch unbedingt besaufen wollt, kann ich nicht raten sich an diesen Sachen zu vergreifen. Nun, was es noch einmal gefährlicher macht, dieser 40 Ongsah wird in einer bräunlichen Flasche wie Bier verkauft. Also vorsichtig sein und den nicht aus Versehen kaufen. Das erste Mal dass ich diesen Fusel versuchte musste ich prussten, der Mund brannte und ich hätte mich beinahe übergeben. Es geht sogar das Gerücht herum dass dieses Gesöff blind machen soll. 
Nun ja, mit meinem bohemischen Lebenstil vergruselte ich wohl höchstwarscheinlich das Mädel. Nun, da ist sogar das zweifelhafte Gespräch dass man eine anständige thailändische Frau nur betten kann wenn man sie heiratet. Aber nach Heirat war mir sowieso nicht zumute und wie ich später herausfand ist dieses Gerücht auch Blödsinn. Es gibt beim Umgang mit anderen Menschen halt nur eine Regel die stimmt - kein Arschloch sein!

Chaing Mai war voll von seltsamen Gestalten welches für mich den Aufenthalt dort sehr unterhaltsam machte. Es gab zu der Zeit schon ein paar Go-Go-Clubs und ich muss gestehen eine meiner abendlichen Vergnügungen war es mich dort aufzuhalten. Ich war nicht so sehr interessiert an den Mädels die für mich nicht besonders erotisch waren, ich bin halt einer der Typen der ein Mädchen lieber im angezogenen Zustand kennenlernt. Natürlich, ihr werdet vielleicht aufschreien aber es gibts für mich nichts attraktiveres als sich ein Mädchen nackt vorzustellen. Das Anglotzen finde ich eher volkommen daneben. Ehrlich gesagt, ich möchte noch nicht einmal daran denken mit einer Frau zusammen zu sein die meine Freunde schon nackt gesehen haben oder der eine oder andere schon Sex mit gehabt hat. Anstelle dessen war es für mich schon eine gute Packung Entertainment die Kerle zu beobachten die selbst hier fern von der Heimat sich an ihrem Bier festhalten mussten und verschämt die Mädels ansahen. Da gibt es dann die paar Leute die mit offenem Mund einfach nicht glauben können was sie sehen. Dann gibt es wiederum die Kerle die denken wenn sie dem Mädchen ein paar Drinks ausgeben, einen Freebee zu bekommen. Weiterhin sind da die Männer die mit ihren Kumpels in den Bars sind und sich so laut benehmen als ob sie denken den Frauen imponieren zu müssen. Könnt mich ruhig frauenfeindlich bezeichnen aber ich geniesse es schon in den Go-go Clubs, aber halt aus anderen Gründen. Prostitution in Thailand ist leider Gang und gebe. Durch ein Gesellschaftssystem in dem Männer doch schon eine Menge Geld zahlen damit sie die Frau heiraten können wird dann leider Kompensation in den Bars gesucht. Davon aber später in folgenden posts. Nur kurz erwähnt hier, wenn der Sextourismus ausbliebe, dann würde sich der prozentuale Anteil der Prostitution nur um 5% verringern. Wir dürfen halt nicht immer europäische Vergleiche mit fernen Ländern ziehen.

Eine andere Gruppe von seltsamen Gestalten waren die Skinheads die ich in Chiang Mai beobachtete. Grosse Kerle ohne Gehirn die sich so benahmen als ob sie die Welt erobern müssten. Ich wunderte mich jedoch wie so eine ferne Reise mit der so gross gepredigten Vaterslandliebe vereinbaren könnte. Deshalb musste ich dann halt doch mal nach dem Grund deren Aufenthaltes fragen. Die Antwort die ich bekam war dann schon der Hammer. Die Skinheads erklärten mir stolz, mit ausgedrückter Brust und eingezogenem Bauch, dass sie auf Dchungelkämpfer Training wären. Nun gut, soviel Apsiration wünsche ich mir auch. Also Deutschland wird mal in den nächsten 200 Jahren wohl mal wieder Urwald haben und dann ist es halt besser gut vorbereitet zu sein.

Nach drei Wochen Chiang Mai enschloss ich mich weiter zu reisen und verliess die Stadt fürs erste im Morgen Bus nach Mae Hong Son.

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