Tuesday, June 21, 2016

KEINE WILDEN TIERE

In der Nacht vorher hatte ich kaum geschlafen. Der Ventilator im Raum war zu laut, zu viele Moskitos und von der Treppe waren immer wieder Lachen, Sprechen und sogar Ficken zu hören. Ich war auch nicht vor der Mitternacht im Bett weil meine Thai Freunde eine Geburtstags Party hatten. Als ich aufstand um den Morgenbus nach Mae Hong Son zu nehmen, dröhnte mein Schädel und auf dem Wegs nach Mae Hong Son konnte ich nicht schlafen. Ich döste kaputt vor mich hin. Dennoch nahm ich noch recht viel von den Eindrücken der Strasse mit. Die Abholzung des nördlichen Waldes hatte zwar schon begonnen aber das war auf der anderen Seite der Berge auf dem Weg nach Pai. So konnte ich zu der Zeit die fast noch intakte Natur von Nord Thailand erstaunen. Die ersten vier Stunden nach Pai erinnere ich mich noch an eine ganze Weile bergauf fahren. Es ging durch gefährliche Höhen auf schlecht asphaltierten Strassen, immer mit dem Abgrund direkt auf der rechten Seite. Der Bus hatte keine Aircondition und es kamen verschiedenste Bergvölker an Bord.

Ich weiss nicht ob man sich das noch vorstellen kann, aber ich hatte immer an Bergvölker den Gedanken von halbnackten Wilden mit Bambusstäben und Lendenschurz die auf Pusterohren Pfeile schiessen. Dies ist jedoch nicht der Fall bei den Hilltribes von Thailand. Besonders das halbnackt und Lendenschurz, würden die sich ja ihre Lümmel im Winter abfrieren. Thai Bergvölker passen eher unter der Bezeichnung Trachtengruppen als halbnackte Wilde. Viele dieser Stämme haben schöne Kostüme die sie natuerlich aus Naturfasern herstellen. Diese Produkte werden dann auch von Händlern auf den Märkten angeboten. Nun ja es sind halt nicht Holzartikel womit sie diesen Menschen helfen könnten. Es sind eher, wenn Sie Trachten geil finden, dieses denen die Bergvölker ihr Geld bringt. Ich habe niemals einen Hmon, Akha oder anderen Hilltribe Menschen mit einem Stück Holz gesehen aus dem er versuchte eine Tasse zu meistern aber viele Frauen, die versuchen Kostüme zu nähen.

Diese hlltribes waren die meisten Reisenden. Sie kamen mit Ladungen von Trachten, Schmuck aber auch Kleintieren wie Enten, Gänsen und Hühnern an Bord. Der ganze Bus schnatterte, unterhielt sich und es standen die seltsamsten Gerüche in der Luft. Mae Hong Son, verschieden von den meisten Thai Städten, hat eine Mehrheit von noch ursprünglichen Einheimischen als Einwohner. Deshalb ist es noch einmal komplett verschieden von Chiang Mai, Chaing Rai und dem mittlerweile als Party-Stadt bekannten Pai. Den anderen Reisenden schien die Reise nichts auszumachen, sie waren daran schon gewöhnt. Ich war der einzige Tourist aber habe glücklicherweise einen sehr starken Magen und werde nicht so leicht Höhen- oder Seekrank, weder bin ich paranoid. Der kleinste Fehler des Busfahrers oder der minimalste Defekt hätte uns alle über ein paar hundert Meter in die Tiefe geschickt. Nun ja, ist wohl offensichtlich, dass nichts passierte. Dennoch, kurz vor Pai, zum Glück auf fast gerader Strasse hatte der Bus einen leichten Defekt mit dem Getriebe und es ging nun nur noch sehr langsam und vorsichtig bis zu dieser Zwischenstation. Die Hälfte der Strecke war nun hinter mir aber immer noch vier Stunden bis zu meinem geplanten Ziel.

Ein paar Stunden später, bereits im Verbindungsbus, wurde mir klar dass ich meine Trekking Boots in dem letzten Bus vergessen hatte. Nun war mein Hauptgrund für den Weg nach Mae Hong Son bereits gefährdet. Die am westlichsten gelegene Grenzstadt und ihre Umgebung ist berühmt für faszinierende Natur und hervorragende Trekking Möglichkeiten. Ich sollte schon noch einen Weg geben um an einen von diesen tollen mehrtägigen Wanderungen durch den Urwald teilnehmen zu können. Ich wusste zu diesem Zeitpunkt noch nicht einmal ob ich überhaupt eine Chance hatte die Boots noch einmal wieder zu sehen. Thais sind wirklich sehr ehrliche Leute, in dem Sinn dass sie sehr selten Sachen entwenden. Es gibt natuerlich wie überall schwarze Schafe. Ich wusste aber von der Ehrlichkeit der Thais leider noch nichts auf meinem ersten Aufenthalt im Land. Ich sags mal so, es ist nicht Pessimismus , bei einem ersten Aufenthalt, in einem fernen Land auf das Schlimmste vorbereitet zu sein. Es ist eher natürlicher Ueberlebenssinn und Sicherheitsdenken. Besonders, diese Schuhe hatten womöglich den Geldwert den eine gesamte Familie von den Hilltribe Leuten im Monat durch Arbeit verdient. Die besten Informationen die ich bekam war dass ich die Schuhe in ein paar Tagen auf dem Depot des Busbahnhofes in Chiang Mai abholen könnte, wenn Sie gefunden wurden. Nun, ich glaube an Schicksal und wenn solche Umstände eintreffen dann machen sie in meinem Leben meistens einen grösseren Sinn. Always looking on the bright side of life. Selbst, wenn ich den dann nicht unbedingt sofort verstehen muss. Für mich war es das Zeichen nach Chiang Mai zu gehen aber nicht die Trekking Gedanken abzubrechen.
Nachdem ich ein gutes Guesthouse in Mae Hong Son gefunden hatte, liess ich erstmal die ganze Hilltribe Kultur auf mich wirken. Mae Hong Son war wirklich anders als Chiang Mai und es gab die verschiedensten ethnischen Gruppen und deren Kunst und Handwerk. Es war keineswegs touristisch zu dieser Zeit, aber ich befürchte das Meiste ist verschwunden heutzutage. Mein Guesthouse bot auch Trekking Tours an welche uns angeblich durch kaum berührte Natur mit einer Menge von exotischen Tieren führen sollten. Die Touren gingen sogar über die Grenze mit Myanmar und wir würden in Soldaten Camps schlafen. Diese versuchten die Gegend gegen Freiheitskaempfer der Shan zu sichern. Ein Besuch in einem Bergvolk Dorf war auch geplant.

Jeder Reiseführer erzählt dass man auf diesen Touren Opium und Ganja angeboten bekommt und diesem ausweichen sollte. Ich möchte mich hier nicht auf eine Drogendebatte einlassen, das wird wohl mal später in einem anderen Post erfolgen. Zusätzlich ist dann noch bei jüngeren Leuten das Angebot über die burmesische Grenze mit rightigen Maschinengewehren zu schiessen sehr verlockend. Weiter, hatte ich sowieso schon immer meine Zweifel an dem sogenannten Eco-tourismus. Was ist so ökologisch durch den Urwald zu rennen und seinen Müll in unberührte Natur zu werfen? Wenn man an Eco-Tourismus glaubt und daran teilnimmt, sollte man sich mal richtig bewusst über dessen Auswirkungen Gedanken machen. Bitte, keinen Unrat und im besonderen kein Plastik in den Urwald werfen. Selbst das Mitbringen von Geschenken für die Einwohner des Urwalds sollte man sich wirklich genauer überlegen. Es ist zu bedenken, dass viele Menschen in Nord- und Südamerika starben weil sogenannte Missionare Geschenke brachten die dann  Krankheiten unter der dortigen Bevölkerung verursachten. Ja klar, kann ich ja mal gehässig sein, auch eine Strategie den Urwald menschenfrei zu bekommen wenn man Wohlstandskrankheiten dort hin schleppt. Zumindest keine Verpackung verwenden, besonders keine aus Plastik. Wenn wir schon zuhause Probleme Mülltrennung haben, wie wollen dann Menschen im Urwald damit umgehen. Es kann ja wohl nicht erwartet werden, dass diese Naturmenschen bereits über die Auswirkungen einer Plastik Gesellschaft unterrichtet wurden. Verstehen sollte man auch, diese 'Widen' haben ein natürliches Verhältnis zur Natur. Dieses wurde erst durch Touristen gestört. Noch bis vor ein paar Jahrzehnten hatten die abgelegenen Dörfer in den Bergen eine ursprüngliche harmonische Beziehung mit der Natur. Diese natuerlich lebendenden Menschen haben keine Ahnung dass es da ja doch Menschen gibt welche Natur nur noch als kostenfreies Konsumerprodukt ansehen. Das wäre auch Wahnsinn aus deren Augen. Es ist eher unglaublich fuer die Hmon oder Akha dass Leute durch den Urwald hecheln nur um einen Adrenalin Schock zu bekommen. Wahnsinnige, die dann mal zuhause den Nachbarn auf Fotos zeigen was für tolle Typen sie im Urlaub waren!

Klar muss ich mir da auch an die eigene Nase fassen, will ja nicht nur kritisieren. Wie auch immer, der Reiz eine Tour durch den Urwald war zu gross und wie soll man sich ja eine endgültige Meinung bilden wenn man alles nur aus Distanz beobachtet. A spanner at works? Der Eigentümer des Guesthouses teilte mir mit dass es da ja ganz tolle Karen Schuhe geben würde. Diese waren zu heutigen Preisen nur 2 Euro.  Besonders, die Bergvoelker laufen damit schon seit Ewigkeiten herum. Ich hatte keine Ahnung ob die Einheimischen des Urwalds ueberhaupt Schuhe hätten. Und yippie, damit würde ich ja sogar die Bergvölker unterstützen vom Opium und Ganja Handel wegzukommen! Ein Südafrikaner, der angeblich Touristen Führer in der Serengeti war, meinte dass die Schuhe wohl ganz okay wären. Er riet mir dennoch sie in der Nacht vorher zu tragen um sie auszuweiten. Diese Idee kam mir aber doch ein bisschen wie Schwachsinn vor, also verzichtete ich darauf.

Die Tour war über drei Tage und zwei Nächte geplant. Zuerst waren die Pfade ganz gut und wir machten guten Progress auf unserem Weg. Jedoch sobald der Regen einsetzte wurden die Pfade schwieriger, matschiger und bekamen richtige Hindernisse. Wir blieben oft im Morast hängen aber führten unsere Tour fort. Survival of the fittest! Dies bereitete meinen Füssen nun in den neuen Gummi Schuhen grosse Probleme. Ich blieb immer öfter im Morast hängen und die Füsse schlüpften immer wieder aus ihnen. Dies verursachte eine Reibung an der Ferse. So, meine Füsse wurden fortgehend gestresst durch das harte Gummi. Immer mehr rieb sich die Haut ab bis sie aufbrach und am Ende kaum noch vorhanden war. Anstelle der Haut hatte ich teilweise offenes Fleisch und die Schuhe wirkten wie Sandpapier. Ich versuchte mir Taschentuecher in die Fersen zu stecken aber diese waren schnell aufgerieben, Nun war es als ob man eine offene Wunde mit starkem Kratzen provoziert. Ich war sehr glücklich als der erste Abend endlich kam und wir Rast in einem Soldaten Camp mitten im Urwald machten. Dort, das Opium und Ganja zusammen mit dem Moonshine Whiskey liessen mich zum Glück schnelli in einen tiefen Schlaf fallen.
 Am folgenden Morgen war ein Soldat bereits auf eine hervorragende Idee gekommen und hatte die Ferse aus den Schuhen herausgeschnitten. Dies erleichterte das Laufen für ein paar Stunden erheblich. Vielleicht sind ja sogar die modernen Gummilatschen die es jetzt überall gibt aufgrund dieser einstigen Hilltribe Schuhe entwickelt wurden, aber sicherlich nicht wegen mir.

 An einem Punkt kamen wir wohl über die Grenze nach Myanmar. Wir mussten sehr vorsichtig sein und die Soldaten warnten uns vor Shan Rebellen. Sie erzählten uns die Geschichte dass die Shan schon ein paar Mal Gefangene genommen hatten. Also in den Urlaub zu fahren und als Geisel zu enden, tolle Aussichten! Da beruhigte es auch nur wenig dass unser Führer ein Gewehr hatte und auch zwei bewaffnete Soldaten mit uns dabei waren. Wir konnten einmal einen Rebellen Spähtrup in den Gebüschen sehen aber niemand schien das als ernst zu sehen. Vielleicht war ja auch alles nur als dramatischer Effekt in die Tour eingebaut. Wir konnten auch kein Kämpfen sehen aber manchmal knallten schon ein paar Gewehrsalven durch das Unterholz. Nur ein einziges Mal befahl uns der Führer uns zu verbergen. Wir waren auf eine Partoille in unsere Richtung gestossen. Daraufhin verschwanden die Soldaten dann für eine kurze Weile. Vielleicht machten sie ja nur ein paar Drogendeals mal ganz an der Seite. Ein anderes Mal trafen wir dann auch auf andere Menschen in Uniformen. Die Soldaten empfahlen uns zurück zu bleiben. Dann gabe es eine kurze Verhandlung und wir konnten weiterziehen.

Am Nachmittag jenes Tages kamen wir zu einem Bergvolk Dorf. Ich dachte dass mich ein Schlag treffen würde als ich das Benehmen der anderen Touristen sah. Sie mussten es wohl spassig finden oder hielten die armen Leuten für die faszinierenden Tiere die uns ja versprochen waren. Natürlich, alle machten Fotoschösse aber das war nicht so schlimm, selbst dass die Soldaten uns sagten dass diese Menschen keine Fotos mögen. Ich fühlte mich ein bisschen erinnert daran dass die ursprünglichen Völker von Nordamerika dachten dass ein Foto ihre Seele in Gefangenschaft nehme. Es war schon ärger, dass die Touristen keinen Respekt zeigten. Dann fing der Höhepunkt der Groteske an, die Touristen warfen Bonbons unter die Kinder. Sie fanden es sehr amüsierend als manche Jungen sich darum schlugen. Mir war ganz schlecht zumute.  Das war doch kein Fasching, oder eine Fütterung von wilden Tieren, das waren doch Menschen! Ein paar von den kleineren Kindern hatten wohl noch niemals Bonbons gesehen und steckten diese mit der Plastikverpackung in den Mund. Andere fingen an zu heulen denn sie waren zu schwach um für die Bonbons zu kämpfen. Ich fand diese Unterhaltungshow für Westerners sehr daneben. Allerdings muss ich zum Schutz der Touristen sagen dass sich nicht alle so entsetzlich benahmen. Ich hatte keine Bonbons dabei, nicht aus Geiz aber ich hatte schon so etwas ähnliches befürchtet. Der Touristen Führer aus Südafrika war der einzige der sich anständig benahm und gab einzelnen Kindern Bonbons wenn Sie dafür 'Please' und 'Thank you' sagten. Nun wenigstens das machte etwas Sinn.

Die verbleibende Zeit war ich aufgrund meiner Füsse in nicht mehr guter körperlichen Verfassung. Immer wieder puschte ich mich ins Delirium durch mehr Opium und Ganja. Dadurch vergass ich zumindest die meiste Zeit meine ungeheuren Schmerzen. Eine weitere Episode die ich noch gerne erwähne. Ich entwicklete auf diesem Trip meine Abneigung gegen Froschfleisch. Ich bin mir, der Fairness halber, nicht sicher ob mein übersteigerter Drogenmissbrauch oder der Whiskey Schuld waren. Ich musste mich ein paar Mal übergeben nachdem ich an diesem Abend Frosch zum ersten Mal ass. Allerdings versuchte ich noch zweimal Frosch in meiner Zeit in Thailand und dann ohne Drogen und Alkohol. Beide Male machte ich dieselbe Erfahrung. Deshalb kann ich nur raten bei manch einem Essen eher vorsichtig zu sein. Vielleicht haben uns westliche Zivilisation und Wohlstand schwach gemacht. Wir können sicher nicht mehr auf volle ursprüngliche Weise leben oder alle Güter der Natur voll umarmen. Wir können teilweise die Geschenke der Natur nicht mehr geniessen. Wir werden nicht krank oder haben Probleme von Chemikalien in unserem Essen aber von richtig natürlichen Speisen. Ein Weg zurück zur Natur ist natürlich immernoch erstrebenswert aber können wir wirklich zurück zu unseren Wurzeln kehren? Würden wir immernoch in der Lage sein ohne künstliche Zusatzstoffe im Essen zu leben?

In einer Retrospektive war für mich persönlich der Trekking Trip eher eine Enttäuschung. Viele Versprechen wurden eingehalten so hatten wir Bergvölker in ihrem Dorf besucht. Wir waren auch durch den Urwald gezogen und hatten Soldaten Camps gesehen. Die Pfade waren interessant und wir hatten viele Pflanzen gesehen. Allerdings hatten wir keine interessanten Tiere getroffen. Ich war auch traurig das Benehmen und Verhalten von Touristen auf dem Treck zu sehen. Sie hatten sich so verhalten als ob alles nur zu ihrer Unterhaltung existiere. Ich bin mir nicht so sicher ob wir wirklich den Bergvölkern vorschreiben sollten nicht mehr traditionelle Pflanzen wie Mohn und Ganja zu kultivieren. Diese Menschen haben über Jahrhunderte ihren Weg gelebt und wer masst sich an das zu verurteilen. Ist es nicht eigentlich so dass wir uns selber anklagen sollten die Beziehung zur Natur verloren zu haben? Besonders heutzutage, 20 Jahre später wo in den westlichen Zivilisationen Forscher langsam anfangen über die Nutzen des Ganja zu diskutieren. Wir sollten anfangen vorsichtig mit der Beurteilung von sogenannte primitiven Stämmen sein. Wir müssen mehr tolerant zu den Lebensweisen von anderen sein. Besonders wenn wir davon träumen wieder mit der Natur im Einklang zu leben. Wir könnten von 'einfachen' Menschen lernen und nicht arrogant auf diese herabzuschauen. Anstelle dessen begehen wir immernoch Verbrechen gegen die Natur weil wir uns als Hochkulturen und nicht mehr den Tieren zugehörig betrachten. Nur weil wir denken das Recht zur Beurteilung zu haben, braucht diese nicht unbedingt die richtige zu sein.

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