DIE LETZTEN TAGE DER VERNUNFT
Süd Sumatra, zurück in 1994 Indonesien, war immernoch eine Region die nur wenige ausländische Touristen besuchten. In den ersten zehn Tagen meiner Reise kam ich durch eine wundervolle Landschaft von der Lebong Region. Wie ich gerade geprüft habe, hatte diese Region selbst in 2014 nur 105,000 Einwohner. Dies macht es eine der am dünnsten besiedelten Regionen von Sumatra, wenn nicht sogar von Indonesien. Die Menschen dort waren sehr freundlich und einfach. In manchen Orten hatte ich den Eindruck dass moderne Zivilisation gerade begonnen hatte sich auszubreiten. Es gibt nicht viele Informationen über diese Region auf dem Internet oder in Reiseführern. So, vielleicht wäre das ein Ort welcher immernoch geschaffen ist seinen Frieden zu finden. Die Infrastruktur in 1994 war armselig. Es war sogar schwierig Gasthäuser zu finden. Es war zudem nicht leicht dorthin zu gelangen, aber die Schönheit war einmalig. Wie auch andere Orte welche ich besuchte macht eine Reise dorhin jedoch nur Sinn wenn man Sumatra der gesamten Länge nach reist. Orte wie Curup und Muara Aman
sind Reiseziele welche der Seele die nötige Ruhe bieten können. Vielleicht ist es für manche langweilig aber es war eine meiner besten Entscheidungen den vorgetretenen Pfad zu verlassen und zehn Tage entfernt von der Zivilisation zu verbringen. Vielleicht wundert man sich an dieser Stelle wie ich Reiseführer verdammen, aber von dieser versteckten Perle von Indonesien schwärmen kann. Nun, wie gesagt, es ist schwierig dort hin zu gelangen, die Infrastruktur ist armselig und man wird kaum gute Gasthäuser finden. So ich denke mir, nur wenige werden sich davon angesprochen fühlen. Dies ist einer der Orte Reisende sollten wirklich nur hingehen wenn sie nach Ruhe Ausschau halten und unter Indonesiern leben wollen, welche übrigens Moslems sind. Wenn man sich aus den chaotischen Zuständen in diesem Flecken der Welt nichts macht, dann kann man eine hervorragende Zeit haben. Die Gastfreundschaft ist überwältigend und die Dichte der natürlichen Sehenswürdigkeiten ist sehr hoch. Da gibt es jede Menge Wasserfälle mit kristallklarem Wasser, weite heisse Quellen oder Felder die gesamte Flussbänke einnehmen und sogar ein paar Vulkane. Das Gebiet hat eine Aura welches einen in eine andere Welt, vor unserer Zeit, transportiert. Man kann durch grosse Mondlandschaften gehen ohne einem anderen Menschen zu begegnen. Es ist auch möglich stundenlange Wanderungen entlang von Flussläufen zu machen. Diese sind durch die Vulkane aufgeheizt sind und man kann immer wieder in das Wasser gehen um zu relaxen. Es ist eine andere Welt, und man braucht sich nicht zu wundern wenn man erwartet plötzlich von Raptor Dinosauriern angegriffen zu werden. Es war eine Zeit wie in einer Zeitmaschine. Ich begegnete sogar Goldgräbern welche im Fluss ihre Pfannen auf das Edelmetall untersuchten so wie man sich es nur aus den Zeiten der Kalifornischen Goldschuerfern kennt. Ich war in Kohlmienen wo die Arbeiter auf ihrem Rücken noch das schwarze Gold aus dem Berg zurück an die Oberfläche trugen, es war einmalig. Nun, liegt dies weit zurück in 1994, und ich könnte nicht versprechen das sich nicht alles gewandelt hat. So, warum sollte man dann eigentlich die lange Reisezeit heutzutage verschwenden um meiner Vergangenheit nachzuhecheln? Man könnte doch echt leicht enttäuscht werden! Die Menschen in der Region teilten mir mit dass sie Tourismus bräuchten für einen weiteren Fortschritt. Leider ist die Region weit von den Hauptstrassen von Indonesien entfernt.
EINE WEITERE VERRÜCKTE YOUR
An den ungewöhnlichsten Plätzen kann man die besten Reisegenossen finden. Wenn man Leute an weltabgelegenen Orten wie Muara Aman
trifft, hat man schon einen gemeinsamen Nenner. Beide Seiten wollen dann ganz klar weg von dem vorgetretenen Weg. Ich traf dieses Belgien-Österreich Paar welches so wie ich denkende Abenteurer waren. Sie wollten so wie ich auch Orte besuchen von denen die Grosszahl der Reisenden niemals gehört hatte. Eines Morgens in Muara Aman trank ich gerade meinen Frühstück Kaffee in der Mitte der Einheimischen. Ich dachte schon dass ich einen Fehler gemacht hatte als sie zielgesteuert auf mich zukamen. Der erste Satz liess mich dann weiter wundern ob sie nicht einfach nur den falschen Weg in Sumatra genommen hatten.
'Endlich ein Ausländer!' rief der Knabe mit dem Namen Holger heraus.
'Ja bitte, kann ich euch mit etwas helfen?'
Der Typ grinste über sein ganzes Gesicht schelmisch und nahm Platz ohne aufgefordert zu sein.
'Ja und Nein. Es ist eigentlich nicht so oft Ausländer weg vom vorgetretenen Pfad zu treffen. Die einzige Person mit der ich mich nun über eine Woche in aller Tiefe unterhalten habe ist meine Ehefrau Ruth.'
Okay, das hier waren Holger und Ruth. Sie wollten Englisch mit jemandem sprechen. Irgendwie konnte ich das schon verstehen. Das einzige Ding mit dem ich mich in aller Gründlichkeit in den letzten 8 Tagen unterhalten hatte war mein Reisejournal. Dies liess mich schon manchmal an meinem Verstand zweifeln. Es ist halt schwierig zwei Seiten einer Kommunikation einzunehmen um diskutieren zu können. Sich mit sich selber streiten ist schon etwas verrückt. So durchaus, ich verstand den Drang von den beiden sich mit jemandem anders zu unterhalten.
Wir entschlossen uns gemeinsam für die nächsten paar Tage zu reisen. Ich war glücklich denn ich hatte Kameraden gefunden die cool waren und die gemeinsame Interessen teilten. Es war auch auf einer Seite witzig, die beiden waren fast hinter mir her gereist. Sie waren auch in vielen von den Orten gewesen wo ich mich aufgehalten hatte, jedoch meistens ein bis zei Tage hinter mir. Ich hatte eigentlich geplant zum Maninjau See zu fahren aber ich änderte meinen Plan als Ruth eine super Idee hatte. Alle von uns hatten sofort zugestimmt die staubigen, dreckigen und lauten Städte zu vermeiden. Dennoch war da zwischen Muara Aman und Maninjau eine tolle Gelegenheit auf den höchsten Vulkan von Indonesien zu klettern, auf den Kerinci Vulkan. (1) Dieser höchste Vulkan von Indonesien ist auch der höchste Gipfel in Sumatra. Wenn ich auf diesen Berg kommen könnte dann würde ich meinen besten Freund, den Yeti an Höhenmetern im Klettern überbieten. Es sah so wie die passende Herausforderung aus. Die einzige Schwierigkeit war erstmal dorthin zu gelangen.
Am folgenden Tag fand ich heraus dass es eine Busverbindung nach Lubuklinggau gab. Wir wollten nicht in der Stadt bleiben sondern direkt weiterfahren. Nun, wo ich mich so weit von dem Massentourismus entfernt hatte, wurde die Ankuft dort zum seltsamen Erwachen. Sobald wir aus unserem Bus stiegen, wurden wir umzingelt von den Schleppern der Reisegesellschaften welche ihre Busverbindungen anpriesen. Das war ein grosser Schock für mich! Ich hatte mich wohl soweit von dem Fortschritt der Zeit entfernt dass diese Konfrontation mir den Atem nahm. Wir wurden aber nicht von diesen Maklern überwältigt sondern nahmen uns die Zeit erstmal Kaffee zu trinken und dann ruhig unseren eigenen Transport zu suchen.
Schliesslich fanden wir die beste Verbindung nach Bangko. Der Weg dorthin führte uns über den Asian Super Highway, welcher zufolge von Holger die tötlichste Strasse von gesamt Asien war. Nirgendwo sonst passieren soviele Unfälle wie auf dieser Strasse. Wir fingen an dies zu verstehen als wir sahen mit welcher Geschwindigkeit und Rücksichtslosigkeit der Busfahrer über die teilweise noch nicht einmal asphaltierte Strecken fuhr. Aber der Weg war schnell, deshalb erreichten wir am frühen Nachmittag die nächste Etappe. Dort bestand jedoch ein Problem. Die Verbindung nach Sungai Penuh war nur am Abend möglich und dann würde der Bus über Nacht fahren. Wir beschlossen unser Glück mit Microlets zu versuchen. Diese Sammeltaxis können auch von kleineren Gruppen gemietet werden. In 1994, ich weiss nicht ob sich das geändert hat, bestanden sie aus einer Fahrerkabine und hinten einer grösseren überdachten Ladeplattform für die Fahrgäste. Es ist meines Erachtens möglich mit einer Gruppe von acht Leuten in diesen Vehikeln zu fahren. Sie sind grösser als die an sie erinnernden thailändischen Tuk Tuks. Dennoch immernoch kleiner als die thailändischen Songtaeos. Wir kamen auf die Idee uns so ein Gefährt für die 138 Kilometer lange Strecke zu mieten. Die Busse würden acht bis zwölf Stunden brauchen und wir hatten einen Vorsprung von vier Stunden. Es sollte möglich sein schneller voranzukommen. Die Wege zu der Zeit waren schwierig geworden durch die einsetzende Regenzeit. Die Strassen wanden sich durch die Berge mit vielen Pässen und engen Kurven. Irgendwie sah die Möglichkeit besser aus mit einem kleineren Fahrzeug die Strecke zu bewältigen. Dennoch, am Anfang sahen uns die Einheimischen als verrückt an unser Glück mit einem Microlet zu versuchen. Sie teilten uns mit das dieses Vehikel allerhöchstens die Hälfte des Weges schaffen könnte aber niemals die volle Distanz. Wir nahmen zuerst das Angebot an den ersten Teil mit dem Sammeltaxi zu überbrücken. Wir kamen zum ersten Ziel bei Anbruch der Dunkelheit. Die Strassen wurden nun zunehmend unsicher. Dennoch, nach etwas zähem Verhandeln konnten wir den Fahrer überzeugen uns bis nach Sungai Penuh zu fahren. Zuerst hatte er uns ein paar Mal attestiert dass es eine zu grosse Gefahr war. Umso näher wir Sungai Penuh kamen desto schlechter wurden die Strassen. . Manchmal setzten wir hart in Schlaglöchern auf. Es wurde kalt auf dem Microlet als die Nacht hereinbrach. In der Mitte dieses Wahnsinns bremste der Fahrer plötzlich, brachte das Fahrzeug zum Stehen und rannte hinter es. Wir fürchteten schon dass es einen Schaden gab. Aber nichts dergleichen, er hatte nur einen kleinen Affen gefunden. Nun, da gibt es ja ein paar Kulturen, zum Beispiel in Japan, welche Affen als Delikatessen betrachten. Aber das fand selbst der Fahrer barbarisch, er hatte nur seinem Sohn versprochen ihm irgendwann ein Äffchen als Spielgenossen zu besorgen. Nun, besser als es zu verspeisen. Nach zwei Stunden der Fahrt, das Fahrzeug machte einen Stop an einem Restaurant welches an einem See gelegen war. Dort wurden wir eingeladen den Weissfisch, eine der richtigen Delikatessen von Sumatra, zu essen. Nun, viel besser als die Idee von Affenhirn als Speise. Während des Mahles deutete der Fahrer auf den nächstkommenden Berg und grinste. Da war ein Bus in einer Kurve hängengeblieben. Alle Fahrgäste hatten den Bus verlassen und der Busfahrer arbeitete hart um das Vehikel um die Kurve zu bekommen. Dann blieb es auf einmal im Morrast stecken. Alle Passagiere hatten den Bus anzuschieben. Unser Fahrer bemerkte während er seine Finger leckte.
'Eure Entscheidung war richtig mit mir zu kommen. Busse sind viel zu gefährlich. Wenn er steckenbleibt, können wir nicht mehr weiterfahren. Es ist halt nur die Nacht die es für mich erschwert.'
Nun, das war schon ein Disaster sich das vorzustellen. Wenn wir hier stranden würden, dann wären wir aufgeschmissen. Der Fahrer würde nach Hause fahren und wir müssten bis zum Morgen auf einen Bus warten. Glücklicherweise war dem jedoch nicht so. Der Bus sprang aus dem Schlamm und setzte seine Reise fort.
Wir erreichten Sungai Penuh in der Mitte der Nacht. Die Fahrt war hervorragend. In dem kleinen Microlet konnten wir die Natur viel näher erfahren als im abgeschlossenen Bus. Der Trip war auch sicher gewesen. Ich wollte mir nicht vorstellen im Bus steckenzubleiben. Das wäre fürchterlich! Besonders wenn ich mir vorstellte ein paar von den Busen fielen immer wieder mal im Jahr tief ins Tal. Diese Befürchtung eines Verkehrsunfalls verliess mich niemals in Indonesien. Leute beschweren sich oft über das Chaos in Thailand, sollten die mal nach Indonesien, besonders nach Sumatra, gehen. Wie schon im vorherigen Post beschrieben, ich sah die Reise quer durch Indonesien als Super Therapie mich selbst zu finden.
SONNENLICHT
Wir blieben für zwei Nächte in Sungai Penuh.
Die Stadt brachte uns keinen Kick aber wir hatten ein paar Geschäfte zu erledigen. Wir waren der Wirklichkeit kaum noch nahe. Dies konnte besonders an einem Zwischenfall gesehen werden. In der zweiten Nacht entdeckten wir dass wir keine Zigaretten mehr hatten. Ruth kam auf die Idee dass wir die alten Stummel ausdrücken könnten und uns davon Zigaretten rollen würden. Holger und ich fanden es eine abstossende Idee! Dann schlug Holger mir vor meine Indonesisch Kenntnisse zunutze zu machen. Nun, wir wollten unbedingt rauchen! Die Korruption ist in Indonesien sehr weit verbreitet und die best ausgestatteten Menschen sind die Polizisten! Darum, warum nicht da mal nachfragen. Ich hatte kein Problem und ging in das nächste Polizeirevier. Sie sahen mich an als ob sie einen Ausserirdischen gesehen hatten. Dann schrien sie mich an dass sie kein verdammtes Zigaretten Kiosk seien. Dennoch war meine Mission erfolgreich, ich konnte aus ihnen eine halbe Packung Zigaretten schnorren. So der Abend war damit gerettet und wir wollten sowieso am folgenden Morgen abreisen.
Es waren immernoch 30 Kilometer von Sungai Penuh bis zum Kerinci Vulkan and so machten wir uns auf den Weg nach Kersik Tua, was auch Kersiktuo manchmal genannt wird.
Die Reise erfolgte in einem total überfüllten Minibus. Selbst wir als Langzeit Reisende hatten relativ wenig Gepäck verglichen mit den Einheimischen. Alles mögliche wurde transportiert. Da waren Autoreifen, Nähmaschinen, Säcke voll von Reis und Kartoffeln, Kleintiere und alles andere was die Dörfler in der Stadt eingekauft hatten. Der Weg führte entlang von Kilometer streckenden Teeplantagen wo viele Leute mit der Ernte beschäftigt waren. Die bergreiche Landschaft wurde immer mehr interessant bis auf einmal der Kerinci in unseren Blick kam. Ein beeindruckender Berg, der sich aus seiner Umgebung massiv hervorhob. Hoch und mächtig mit Schwefelrauch aus seinem Krater aufsteigend. Kersik Tua selbst war ein verschlafenes Dörflein mit wenig Touristen, eigentlich waren wir die einzigen zu der Zeit. (2)
Es war schon spät im August und nur etwas mehr als 100 Menschen hatten den Berg in diesem Jahr bestiegen. Die Tour begann in dem auf 1,500 über Meereshöhe liegenden Dorf von Kersik Tua oder Kersiktuo, beide Schreibarten sind gültig für diese Niederlassung. Nun ist es in meinen Augen kein Sport wenn man sich selber nicht seine Ausstattung zum Berg nimmt. Deshalb nahmen nur Holger und Ruth einen Träger. Wieder einmal wurde ich Orang Kuat, starker Mann, genannt. Aber ich konnte nicht von der Entscheidung meiner Mitreisenden beeinflusst werden. Ich verstand es auch dass es für Holger eher ein Ansporn war der erste Belgier auf dem Gipfel zu werden. Somit hatten beide von uns ein verschiedenes Ziel den Gipfel zu erreichen. Mein Gepäck, einschliesslich meines Rucksacks hatte ein Gewicht von ungefähr 10 Kilogramm. Um 8:00 am folgenden Morgen begann unser Trip. Zuerst mussten wir eine lange Zeit durch die Teeplantagen gehen bis wir endlich zum Wald kamen welcher den eigentlichen Aufstieg in den Berg kennzeichnete. Dann folgten wir den Waldpfaden und es ging allmählich sehr langsam bergan. Zur Mittagszeit machten wir eine Pause um etwas zu essen und uns zu erfrischen. Wir waren inmitten von faszinierender Natur. Um uns herum waren von Pilzen besetzte Bäume, Palmen, riesengrossen Bäume und mit Lianen verwuchertes Unterholz. Der Gesang von über 100 Vogelarten war in der Luft. Am Nachmittag begann der Pfad langsam steiler aufzusteigen. Wir mussten oft über Baumstämme klettern aber zum Glück wurde es nun auch kühler. Besonders Ruth war nicht an so lange Wanderungen gewöhnt und somit mussten wir immer öfters Pausen einlegen. Holger war überraschenderweise sehr gut in Form. Das war erstaunlich denn in seinem Heimatland gab es ja eigentlich keine Berge. Etwas Traurigkeit und Mitleid für die Natur überkam mich dann am Basis Camp. Ich zweifelte mal wieder am Eco-Tourismus. Das Camp war von Unrat überschüttet welches andere Bergsteiger hinter sich gelassen hatten. Der Führer und der Träger waren darüber auch nicht glücklich und begannen sofort den Platz zu säubern. Was für Menschen sind das die Einklang mit der Natur suchen sich aber wie Schweine benehmen? Oder sind das einfach nur gipfelgeile Idioten die einen Harten bekommen wenn sie einen Berg besteigen aber sich eigentlich nicht um die Natur kümmern? Die Sonne ging langsam unter und es wurde richtig kalt. Zum Glück hatte ich meinen dicken Kapuzenpullover mit um mich gegen die Kälte zu schützen. Der Wind blies so heftig dass der Führer seine Schwierigkeiten hatte ein Feuer zu entfachen. Es war noch nicht spät, aber wir wollten um 4:00 am Morgen unseren Aufstieg fortsetzen.
Nun,
Holger und Ruth wurde ihr eigenes Zelt gegeben aber ich schlief in der Mitte von dem Führer und dem Träger. Wir lagen nebeneinander aber da war keinesfalls ein Fall von Homosexualität gegeben. Wir brauchten die Körperwärme der anderen um uns nicht zu verkühlen. Jede mögliche Wärme war willkommen. Der Aufstieg führte noch weit von Sonnenaufgang weiter. Der Träger und Ruth blieben im Lager denn Ruth hatte, wie sie sagte, einfach keine Kraft mehr. Zuerst mussten wir Taschenlampen benutzen um überhaupt ein kleines bisschen von dem Pfad zu sehen. Dennoch es war eher Raten und dem Führer folgen als wirklich zu wissen wo wir waren. Holger machte schon Witze dass es sehr merkwürdig war Touristen auf einen Berg zu führen um sie dann zu überfallen. Er war sehr eifrig diesen Berg zu schaffen und sein Humor schien ihm Flügel zu verleihen. Kurz bevor wir das den Krater umliegende Geröllfeld erreichten brach die Sonne durch die Wolken. Ich hatte es niemals erfahren, auf einem festen Untergrund stehend, die Sonne von oben herab durch die Wolken ihren Weg bahnend zu sehen. Sie schob sich durch eine dicke Wolkenschicht durch und dieses natürliche Schauspiel versetzte mich in die höchsten Gefühle der Ekstase. Ich habe und werde diesen Moment niemals in meinem Leben vergessen! Es war die schönste natürliche Erfahrung die ich in meinem Leben gemacht habe. Drunten war der Wald und oben der Gipfel und in der Mitte war die Wolkenschicht, die unter uns lag und die aufkommende Sonne tauchte die Wolkenschicht in die verschiedensten Rottöne. Ich fühlte eine unglaubliche Wärme und Kraft in meinem Körper und plötzlich glaubte ich den Sinn des Lebens zu verstehen. Leben ist nicht nur schön wie viele sagen aber es ist einfach wunderbar. Ich wusste das ich leicht high auf Leben sein konnte aber dieser Moment versetzte mich in einen emotionalen und geistigen Zustand eines neuen High. Diesen hatte ich niemals unter Drogen erfahren und wohl auch nicht bekommen werde. Leben ist die grösste und beste Droge die es gibt, man braucht nicht diese chemikalischen Ersatzmittel wenn man wirklich das Leben spüren kann! Drogen versetzen einen in einen Zustand des Delirium, des Todes. Aber Leben macht stark, ist stark und überwältigend. Dieser Aufstieg auf den Gunung Kerinci in diesem Moment wo die Sonne durch die Wolken brach kann mit nichts anderem verglichen werden! Ich war gefangen wie in einer anderen Welt. Nicht einer der Mystik wie in den Tempelanlagen um Yogya, nicht wie in einer von der schon unglaublichen Natur der Lebong Region, ich war in einer Welt die mir zeigte Leben ist nicht Hölle sondern Paradies. Diese Stimmung wurde unterstrichen von dem sulfurischen Rauch der aus dem Krater stieg.
Wir hatten lange noch nicht den Gipfel erreicht. Der Führer informierte uns dass wir uns beeilen mussten. Die guten Wetterbedingungen konnten sehr schnell umschlagen. Unser Weg führte nun durch eine tiefere Schneise im Geröllfeld die von einem alten Lavastrom geschaffen wurde. Die Steine waren sehr scharf und Holger schnitt sich an seinen Händen. Ich hatte mir alte Socken umgewickelt um einigermaassen geschützt zu sein aber auch dies half nur für kurze Zeit. Zum Glück hatte ich jedoch so harte Hornhaut an den Händen dass ich kaum verletzt wurde. Der Wind wurde sehr stark und verursachte weiteren Druck auf uns. Ich hatte meinen Kapuzenpullover im Camp gelassen aber band mir nun einen Sarong um den Kopf um die Ohren zu schützen. Die letzten hundert Meter krochen wir auf allen vieren aufwärts bis wir endlich den Krater erreichten. Überwältigend tief, mit einem sulfurischen Gestank grinste das Biest uns an. Die Aussicht um die umgebende Natur war einmalig, wir hatten zum Glück gutes Wetter und konnten sehr weit schauen. Der Guide erklärte uns dass der Gipfel um 10:00 sehr gefährlich würde. Dann gibt es heftige Winde, als ob es nicht schon windig wäre, und besonders dichte Nebel stiegen auf. Dies hatte schon das Leben von vielen Menschen gekostet. Erst kürzlich war eine gesamte Schulklasse am Berg verschollen. Sie waren entweder vom Berg gefallen oder unwillig Feueropfer des Vulkans geworden. Der Abstieg war nicht viel einfacher. Wir mussten des öfteren über das Geröll heruntergleiten so wie beim Snowboarding nur ohne Snowboards und ohne Schnee sondern Schotter. Da gab es keinen Griff mehr der uns einen sicheren Abstieg gewährleistete. An einigen Passagen wunderte ich mich schon wie wir überhaupt hinauf gekommen waren. Dies änderte sich noch nicht einmal als wir aus dem Geröllfeld zurück in den Wald kamen. Manchmal kamen wir wirklich zu richtigen Klippen die über zwei Meter steil herabgingen. Wir erreichten das Camp viel schneller als wir aufgestiegen waren wo uns Kaffee und Ruth begrüssten. Holger war sehr stolz der erste Belgier auf dem Gipfel gewesen zu sein. Ich war sehr stolz den höchsten Vulkan von Indonesien bezwungen zu haben. Etwas was man nicht jeden Tag macht! Wir waren schon ganz schön kaputt aber wir wollten Kersiktuo noch vor Sonnenuntergang erreichen. Deshalb hatten wir wenig Zeit für eine Pause. Nun puschte mich mein Gepäck den Berg hinunter. Manchmal hatten wir Schwierigkeiten denn wir mussten über umgestürzte Baumstämme balanzieren. Der Weg durch die Teeplantagen schien endlos nachdem wir den Wald verlassen hatten. Aber endlich erreichten wir das Dorf noch vor Sonnenuntergang.