KEINE HEIMAT MEHR
Als ich im späten Oktober 1993 nach Deutschland zurückkehrte war ich vom 'normalen' Leben weit entfernt. Ich hatte fast 2 Monate in Thailand verbracht. Die dunklen Kräfte denen ich begegnet war, folgten mir. Ich war weit entfernt von dem gewöhnlichen Leben in einer Zivilisation. Ein Wanderer zwischen den Welten, den Welten von West und Ost, den Welten von Realität und Schattendasein. Ich hatte eine lange Zeit in den Schatten verbracht. Ich spürte die starke Versuchung sobald wie möglich nach Asien zurückzugehen. Es sollte aber nicht mit Schwerpunkt Thailand sein. Die Begegnungen mit Kathoeys, Drogen und Prostitution hielten mich davon ab über dieses Land positiv zu denken. Da musste es doch bessere Länder geben. Sicher Thailand war ein schönes Land aber die alternativen Wege hatten sich in düstere Abenteuer verwandelt. Irgendwie dachte ich mir nichts mehr mit dem Land zu tun haben wollen. Auf der anderen Seite war es noch eine Verlockung das Leben weit entfernt vom Tourismus zu sehen und meinen Freund Pee Pee zu besuchen. Er sollte nicht von mir genauso wie von den anderen Urlaubern denken. Ich wollte unterschiedlich sein. Im folgenden Jahr plante ich eine Reise die in Thailand abschliessen sollte.
ZURÜCK IN ASIEN
Dieses Mal flog ich mit KLM, der niederländischen Fluggesellschaft nach Jakarta mit Stop-Over in Singapur. Sobald ich in Singapur aus dem Flugzeug trat, spürte ich sofort wieder die vernebelten Zustände meiner Seele. Es war als ob ich vertrauten Grund betrat. Eigentlich sollte nichts auf einem Stop-Over passieren. Ich verliess das Flugzeug, ging in einen Bücherladen und kaufte einen Sprachführer für Bahasa, die Sprache von Indonesien. In meinen Augen ist es immer gut die Sprache des Landes ein wenig zu sprechen wenn man über längere Zeit bleibt. Ich wollte zwei Monate im Land verbringen und dann käme das Buch hilfreich. Ich ging zum Flugzeug zurück und musste durch eine Routine Kontrolle. Plötzlich zeigte ein Zollbeamter auf mich.
'Was ist in dem Beutel?'
'Ein Buch.'
'Wo haben Sie es gekauft?'
'Hier, im Buchladen.'
'Kommen Sie mit mir mit!'
Hoppla, der Flug würde in zehn Minuten abfliegen. Da musste es doch ein Missverständnis sein.
'Entschuldigen Sie aber ich bin im Transit. Mein Flug...'
'Kommen Sie sofort mit mir mit!'
Was brachte es mehr Zeit zu verlieren. Da war keine Möglichkeit sich zu weigern. Ich brauchte keine Verzögerung und folgte dem Zollbeamten in einen Nachbarraum. Dort sah er mich eindringlich an. Zum Glück wurde er von einem Vorgesetzten unterbrochen, unterhielt sich kurz in Chinesisch und befahl mir dann schnell zum Flugzeug zu eilen.
'Beeilen Sie sich. Schnell Schnell. Sie werden Ihren Flug verpassen!'
Nun, war ja nicht meine Idee lustig zu werden. 'Seltsam', dachte ich 'Was hatte er eigentlich vor?'
Singapur ist ein sehr sauberer und resoluter Stadtstaat. Dies ist bekant. Aber Sauberkeit und Sittlichkeit waren für mich niemals Motive in einem Land Urlaub zu machen. Im vorherigen Jahr hatte ich im Radio gehört dass ein Mann ausgepeitscht wurde weil er ein Parkverbot nicht beachtete. Nun, diese Stadt war keine Verlockung für mich. Kaugummis waren verboten. Sah ich so aus als ob ich Kaugummis dabei hätte? Vielleicht. Ich kam mit KLM. Auf Drogenbesitz kann schon mal die Todesstrafe ausgesprochen werden. Dachte er ich wäre Drogenkurier? Schon eher möglich. Lange Haare waren einmal verboten in diesem Land. Besucher wurden abgelehnt in das Land zu kommen wenn sie lange Haare hatten. Vielleicht hatte er ja übersehen das dieses Gesetz nicht mehr bestand. Ich war in den Augen der Spiessigkeit auch nicht vernünftig angezogen und alle Umstände liessen mich wohl wie einen Hippy aussehen (1). Aber trotzdem ich war auf Stop-Over! Nun gut, ich habe Singapur niemals wieder betreten. Die spinnen die Singapurianer! Konnte ich mich glücklich schätzen dass nicht mehr passiert war? Was wäre ohne seinen Vogesetzten passiert? Die alten Schatten des letzten Jahres hatten mich bereits wieder eingeholt. Sie hatten mich nicht verlassen. Sie hatten mir nur eine Pause erlaubt.
JAKARTA NACH YOGYAKARTA
Das Flugzeug sollte in der Hauptstadt von Indonesien um 2 Uhr am Nachmittag ankommen. Ich hatte mich immernoch nicht von dem Zwischenfall in Singapur erholt. Der Flughafen von Jakarta war depressiv. Es war eher wie eine leerstehende Lagerhalle. Eine Menge von freien Flächen so gross wie ein Fussballfeld und ein paar Warteschlangen standen verloren herum. Ich ging schnellstens zur Gepäckabfertigung, holte meinen Rucksack und verliess das Gebäude. Draussen war es fast schwarz. Hatte mein Flug solch eine grosse Verspätung? Ich fragte einen der Einheimischen nach der Zeit.
'Oh, es ist 2 Uhr. Warum? Hatte der Flug eine Verspätung?'
"Nein,... aber es ist dunkel. Wird mit Regen gerechnet?'
'Umweltverschmutzung.'
Grossartig, und ich hatte gedacht Bangkok war dreckig. Ich hatte niemals zuvor schwarze Wolken am Himmel um 2 Uhr am Nachmittag gesehen. Ich musste hier raus. Ich fragte den Mann noch einmal, er verstand wohl Englisch.
'Wie komme ich zum Zugbahnhof?'
'Wieso? Mögen Sie es nicht hier?'
Nun ich konnte ihm nicht sagen dass ich es nicht mochte, ich hasste es.
'Nein. Aber ich möchte morgen in Yogya sein.'
'Es ist ein langer Weg zum Bahnhof. Sie können einen Bus nehmen. Vier Stunden.'
Ich konnte mir kaum vorstellen dass alle meine Zigaretten die ich im Leben geraucht hatte eine mehr negative Wirkung als ein Tag in dieser Stadt hatten.
Der Bus war überfüllt. Ich musste den gesamten Weg stehen. Immer noch besser als die Nacht in dieser Müllhalde zu verbringen. Es stank, ich fühlte mich übel, meine Augen brannten nach kurzer Zeit und es war zu laut. Ich musste raus, nur raus.
Ich war positiv überrascht dass es keine Verzögerung gab. Es war wirklich nur vier Stunden zum Bahnhof. Da waren immernoch drei verschiedene Möglichkeiten am Abend aus der Stadt zu entkommen. Ich kaufte einen Fahrschein für den 8 Uhr Zug, somit wäre ich am Morgen in Yogyakarta. Die Bahnsteige waren voll von Menschen die um die beste Stelle kämpften um auf den Zug zu kommen. Sie drängten sich vor und zurück. Es gab nicht viele Europäer. Ich schloss mich einer kleinen Gruppe an, einem französischen Pärchen und einer Österreicherin. Eigentlich nicht meine Art einem Herdentrieb zu folgen. Hier war es notwendig. Ich hatte zuviele Geschichten von diesen Zügen gelesen und gehört. Es gab eine Menge Diebstahl und manche Menschen verschwanden in die Nacht, aus dem Zug herausgeworfen. Die Polizei hatte zuviel zu tun um Einzelfällen zu folgen. Eine Gruppe bilden bedeutete ein bisschen Sicherheit zu haben.
Wir erreichten Yogyakarta am frühen Morgen. Wir hatten Glück gehabt. Unserer Gruppe war nichts passiert. Wir hörten von zwei Amerikanern im Nebenabteil. Sie waren ausgeraubt worden. Nun, ich weiss nicht ob das nur ein Gerücht war. Trotzdem fühlte ich mich besser dass wir in einer Gruppe waren.
Yogyakarta
in 1994 war ein faszinierender Ort. Es war eine multimillionen Stadt aber fühlte sich gut an. Ich genoss die Stadt aber war mehr an der Umgebung interessiert. Zum einen war da der antike Hindu Tempel von Prambanan (2), eine gewaltige Anlage. Ich spürte die Gegenwart der alten Geister die dem Baumeister geholfen hatten bei der unmöglichen Aufgabe 1,000 Tempel in einer Nacht zu errichten. Dies war ein heiliger Ort! Ich hatte Gänsehaut als ich langsam durch die historischen Gassen ging in dem Licht des frühen Morgens. Der weibliche und anfühlsame Duft der Lotus Blumen tauchte die Skulpturen in ein süssliches Parfüm. Vielleicht wurde ich davon zu sehr beeinträchtigt als meine Sinne dahin schwebten und alles in meiner näheren Umgebung weit entefrnt bekam und doch so nah. Ich war der Wanderer zwischen den Welten. Ich war weder in der Gegenwart zuhause aber noch nicht willkommen in der vollen Spiritualität. Die grossen phallischen Symbole der Tempelwächter weckten in mir mehr den Hunger nach asiatischen Schönheiten als ich in irgendeiner Situation in Thailand hatte. Es war aufregend die verschiedenen sexuellen Positionen in den Steinmetzarbeiten zu bewundern. Dennoch war es die Spiritualität die meine Sinne am meisten einnahm. Ich spürte eine Art der höheren Erleuchtung durch die abgebildete Erotik. Ich verbrachte den gesamten Tag in diesem Tempelkomplex und nahm nicht wahr wie die Zeit voranschritt. Als ich zu meiner Unterkunft zurückkam war mein Verstand immernoch so süsslich vernebelt dass ich nicht wusste ob es nur Einbildung war dass dort vor ihrem Bungalow eine liebliche Schweizerin sass. Ich vermutete dass es nur die Verführung des Einfluss der Lotus Blume war. Es war besser ins Bett zu gehen.
Ich hatte schon die meisten Sehenswürdigkeiten in der Stadt gesehen und wollte nur noch eine grössere Reise in der Umgebung machen, zum Borobodur. Ich würde das Borobodur nicht als einen Tempel beschreiben. (3) Mit einem Tempel verbinde ich Mönche und Laien die zur Anbetung an einen Platz kommen. Ich möchte nicht unhöflich klingen aber das Borobodur ist ein massiver Steinblock. Dieser ist spektakulär und muss eines der grössten Monumente in der Welt sein. Wie am vorherigen Tag am Prambanan fielen meine Sinne in einen unnatürlichen Zustand der Ruhe und meine Wahrnehmung fand sich erneut in einer Grauzone zwischen den Welten, zwischen Vernunft und Eingabe. Der Aufstieg auf die Spitze kam mir vor als ob ich das Universum besteigen würde. Im Hindu Tempel hatte ich mich teilweise schuldig gefühlt von dem Ausdruck der Freude verführt und sexuell erregt zu sein. Hier fühlte ich mich eher willkommen von der Spiritualität. Eine warme und liebliche Umarmung einer antiken Essenz von dieser heiligen Struktur. Es gab mir Kraft und Selbstbewusstsein ein Teil einer historischen Verwandlung zu werden. Meiner historischen Verwandlung. Den Weg zu schreiten der in die Sinne führte. Es war durchaus verwirrend. Ich war mir nicht mehr sicher ob ich wirklich zu Asien nur als Urlauber gehörte. Eine mysteriöse Wärme schoss durch alle Teile meines Körpers. Eine Leichtigkeit die mich vernehmen liess mehr als nur physikalische Materie zu sein sondern dass meine Eingebungen mehr Realität bekamen als die materielle Welt. Es wurde mir erschreckend klar dass ich in diesen Teil der Welt gehörte. Ich konnte es nur noch nicht handhaben mir das einzugestehen. Ich wusste noch nicht wo mich meine Pfade hinführten. Es war als ob ich zart in dem seidenen Mantel von Asien gefangen war. Ich wollte es noch nicht wahrhaben dass meine Zukunft in Südost Asien liegen könnte. Ich war ein Kind des Westens. Die asiatische Mentalität schien noch viel zu verschieden von meinen eigenen Wahrnehmungen. Wie auch am vorherigen Tag sass da die Schweizerin vor ihrem Bungalow als ich von meiner Tour wieder im Resort eintraf. Dieses Mal musste etwas geschehen.
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