Tuesday, July 5, 2016

ZURÜCK ZUR VENUNFT



Meine Zeit in Thailand neigte sich zum Ende. Ich erreichte in der Mitte der Nacht mein letztes Reiseziel, Hua Hin. Es war keine Versuchung nach Bangkok zu reisen und ich wollte mich in dieser Küstenstadt die letzten Tage vor meinem Abflug erholen. Diese Stadt war nahe genug an Bangkok und so wollte ich erst am Abflugtag in die Hauptstadt fahren. Ich kam um 2:30 in der Nacht mit dem Zug an. Meine Erwartung war eine ruhige und friedliche Stadt zu treffen. Den Erzählungen von einem Freund zufolge war es noch richtig langweilig. Somit wollte ich noch ein paar Runden im Golf von Thailand schwimmen, ein wenig einkaufen gehen und mich vor allem vom Bohemien Lebenswandel verabschieden. Ich fühlte die Gefahr dass ich schon zu sehr an eine Welt der Mysterie, Drogen und des Nichts gewöhnt hatte.

Erst als ich in Hua Hin ankam, realisierte ich dass da vielleicht keine Gastehäuser zur Ankuftszeit mehr offen haben könnten.  Ich hatte schon zu lange, für die letzten zwei Wochen auf Koh Phangan, wie in einem Traum gelebt. Eine velorene Seele zu weit entfernt von der Realität der Zivilisation. Auf einmal fühlte ich mich unbehaglich. Dies waren doch nur Ferien. Diese waren in eine total verkehrte Richtung gelaufen. Noch vor zwei Monaten war ich ein Angestellter, ein Student und ein Sohn einer guten Familie. Was war ich jetzt? Diese Frage war viel zu schwierig zu beantworten. Plötzlich hasste ich was aus mir geworden war. Wie könnte ich es erwarten nach diesen zwei extremen Monaten nach Deutschland zurückzukehren als ob nichts passiert wäre? Wie konnte ich erwarten jemals wieder ein normales Leben zu führen? Ich hatte aus Thailand zu entkommen! Vielleicht, eines Tages, würde ich wieder die Kraft haben zurückzukehren. Dann würde alles anders sein. Ich wollte auf jeden Fall meinen Freund Pee Pee wiedersehen. Aber dieses Land hatte seinen Reiz erstmal verloren. Ich würde mir sicher gerne andere Länder in Südost Asien ansehen. Vielleicht Vietnam, Indonesien oder Kambodscha. Ich hatte schon viel über diese Laender gehört. Mit grossen Erwartungen hatte ich mich auf die Reise gemacht und nun fühlte ich völlige Leere. Nichts war so gelaufen wie geplant.
Der Bahnhof von Hua Hin war menschenleer aber nicht weit von Gasthäusern. Ich war müde und nahm zum ersten Mal in Thailand ein Tuk Tuk. Der Fahrer versprach mir einen Platz für die Nacht zu finden. Eigentlich mochte ich die Idee nicht einem Tuk Tuk Fahrer zu vertrauen. Aber ich sah keine andere Möglichkeit. Um diese Zeit blieben mir wohl kaum andere Chancen. Ich hatte Glück. Das erste Gasthaus, zu dem er mich fuhr, hatte vernünftige Preise. Trotzdem waren keine Zimmer frei. Mir wurde angeboten in der Waschküche zu schlafen. Der Eigentümer versicherte mir dass er für die zweite Nacht ein gutes Zimmer hätte.  Wenigstens ein Platz mit Bett. Ich war glücklich. Wieder einmal liebte ich die thailändische Gastfreundschaft.

Ein paar Stunden später wurde ich aufgeweckt. Der Besitzer entschuldigte sich aber seine Beschäftigen mussten die Wäsche erledigen. Dennoch kein Problem. Ich bekam sofort ein Zimmer mit gutem Blick. Die ersten Gäste hatten schon früh am Morgen das Gasthaus verlassen. Ich schlief noch ein paar Stunden weiter und stand um die Mittagszeit auf. Hua Hin war vollkommen unterschiedlich von Koh Phangan. Das Gasthaus war an der Hauptverkehrsstrasse aber nur hundert Meter von der Küste entfernt. Wie ich es von Koh Phangan gewöhnt war, schlung ich einen Sarong um und ging zum Strand. Einige Touristen schauten recht komisch. Nun, ich kann doch tragen was ich will. Die Besucher waren aber eher etwas spiessig, mittelalte Leute, meistens Männer mit ihren thailändischen Häschen an der Hand. Nun hatte ich gedacht dass Pattaya schlimm war, aber na ja Hua Hin reichte mir schon. Okay, versteh ich schon, diese Leute brachten das meiste Geld ins Land und nicht wir Backpacker. Trotzdem muss ich es ja nicht mögen. Diese Touristen sind halt eine andere Tierart als ich. Das war so verschieden wie Steinzeitmensch und Menschen der Zukunft. Kein Wunder dass ich auf 'no future' war. Nun wissen aber diese Leute nicht wie peinlich die selber aussehen in eines Backpackers Augen. Toleranz, ihr tut mir nichts, dann tu ich euch auch nichts. So, ich lief in meinem Sarong herum. Ich wanderte den Strand ab und hatte eigentlich geplant noch ein paar gute Schwimmgänge zu machen. Leider hat Hua Hin ein Problem, der Strand ist zu steinig. Ich wollte mir meine Füsse nicht noch einmal aufschneiden und blieb aus dem Wasser draussen. Deshalb schlenderte ich nur den Strand herab. Selbst das war eingeschränkt, ein paar Hotels haben ihre privaten Strände. Nach einer Weile setzte ich mich im Schatten nieder und hatte etwas Som Tam.

Som Tam ist eine der beliebtesten Speisen in Thailand. Eigentlich ist es eine Isaan Spezialität. Heutzutage betrachte ich jeden Urlauber der nach Thailand gefahren ist aber nicht diese Version des würzigen Papaya Salat ausprobiert hat als jemanden der eigentlich niemals in dem Land war. Man muss es ausprobieren! Da geht kein Weg vorbei! Vielleicht mag man es nicht aber man muss es wenigstens probieren. Thailand hat eine richtige Som Tam Kultur aufgebaut. Es kommt in verschiedenen Schärfegraden. Ein Neuling in Thailand sollte sich langsam herantasten. Wenn man gefragt wird ob es scharf sein soll, dann lieber ablehnen. Es sollte nicht scharf bestellt werden denn dann kann es extrem scharf sein. Da freuen sich dann die Hämorrhiden dass sie so richtig spriessen können. Hardcore Thais nehmen bis zu 10 Chillischoten für das Som Tam. Der durchschnittliche Thai wird mit vier bis fünf Chillies dabei sein. Der westliche Neuling sollte es erstmal mit zwei Chillies probieren oder mit gar keinen. Wenn man am Anfang an sofort auf Hardcore machen will, dann ist man halt blöd. Ich mag kein geschmackloses Essen, deshalb nehme ich persönlich meistens drei oder vier Chillies. Ich war mal fähig auf dem höchsten Schärfegrad mitzuhalten aber diese Zeiten sind vorbei. Wenn ich nur noch Chillie und keinen anderen Geschmack mehr habe dann schmeckt mir das nicht mehr. Das traditionelle Som Tam besteht aus fein geschnittenen grünen Papaya Stücken, also die Papaya ist dann noch unreif und so richtig herzig. Dazu kommen Tomatenstücke, Erdnüsse und meistens getrocknete Garnelen. Es wird gewürzt mit Limette, Knoblauch, Fisch Sosse, Zucker und natürlich Chillies. Die Zutaten werden im Mörser mit dem Stössel zermahlen. Das ist die Grundsubstanz dieser Speise. Es wird im Regelfall mit Klebreis gegessen. Ohne Reis ist es ja auch keine thailändische Mahlzeit.
Es gibt verschiedene Versionen vom Som Tam. Thais benutzen eine reiche Vielfalt an Zutaten um es speziell zu gestalten, so zum Beispiel mit grünen Bohnen, Krabben, fermentiertem Fisch oder Ei oder auch langen Bohnen. Wie auch immer man es essen möchte aber man sollte es schon versuchen. Da gibt es sogar eine süssere Variante, diese ist mit Aepfeln, Orangen, Weintrauben und anderen Früchten so dass eine gute Mischung von Fruchtsalat und Som Tam entsteht. Wie oben erwähnt, der Klebreis oder khao niau ist eine wesentliche Beilage. Daneben kann man auch gegrilltes Hähnchen essen. Na ja, da kommt halt meine Gicht her. Eine andere Speise dazu ist gegrillter Flusswels der ein schönes sanftes Fleisch hat und nicht so viele Gräten. Man kann Som Tam überall in Thailand treffen. Wir haben es sogar einmal auf Koh Samui gegessen aber da war es schwierig es zu finden, nur weit draussen wo kein Urlauber sein Motorrad anhalten würde. Das beste Som Tam gibt es immernoch im Nordosten oder Isaan. Da kommt es ja auch ursprünglich her. Heutzutage kann man Leute vom Isaan überall in Thailand finden und deshalb auch das Som Tam.
Eine Vorsichtmaassnahme sei beim Som Tam geraten. Wenn das Som Tam mal zu scharf ist, dann sofort mit Klebreis abmildern. Wenn man aber auf der anderen Seite versucht darauf Wasser zu trinken dann wird es noch schärfer. Das kann man mit dem türkischen scharfen Essen vergleichen, da nimmt man ja auch Brot zum abschärfen, genauso wie hier den Klebreis.


 Am Abend lieh ich mir ein Motorrad um in der Stadt herumzufahren. Ich hatte eine Thai Mahlzeit und traf zwei Leute aus Kanada. Sie führten mich ein wenig in den Clubs und Kneipen herum. Ich war in der zweiten oder dritten Kneipe und wir hatten ein gemütliches Bier. Auf einmal kam ein Deutscher ganz wild in die Kneipe, stolzierte an den Tresen und schrie mit voller Stimme so dass es jeder hören konnte 'Ich will was zum Ficken!' Warum gerade ein Deutscher? Wieso musste mir das an meinem letzten Abend passieren? Ich hatte Respekt für das Land und seine Menschen und ich fühlte mich persönlich angegriffen. Ich war auch verschämt denn ich glaubte meine neuen kanadischen Freunde könnten sich wohl ausmahlen was der Knabe schrie. Ich kann gerne dumm genannt werden aber ich hatte den Drang etwas zu tun. Ich ging in aller Ruhe auf den Trottel zu und versuchte ihm zu erklären dass sein Benehmen voll daneben war. Er war zuerst verdutzt und dann lachte er aus vollem Hals heraus und schrie mich an 'Hast Du einen Schaden oder was?  Du kannst mir doch nicht erzählen dass Du hier für Tempel und Kultur bist! Das hier ist ein Fickparadies!' Ich wollte ihm auf diesen Schwachsinn nicht erwidern, ich spürte nur den Drang dem Arschloch eine Bierflasche über dem Kopf zu zerschlagen. Glücklicherweise sahen meine kanadischen Freunde wie ich krebsrot anlief und führten mich aus der Kneipe heraus. Es war schwierig das einzugestehen aber eigentlich war der Deutsche sogar im Recht. Die meisten Leute kamen nach Thailand zum Ficken. Nach meinen Erfahrungen konnte ich das verstehen und sollte es nicht mehr kritisieren. Trotzdem, es war ein Schock an meinem letzten Abend das zu hören.  Es machte für mich meine Entscheidung klar nicht mehr nach Thailand für einen längeren Aufenthalt zurückzukehren. Meine Erfahrungen konnten zusammengefasst werden mit zu hohem Drogenmissbrauch, verschiedene Seiten der Prostitution zu sehen und tölpelhaften Sexurlaubern zu begegnen. Diese letzte Nacht in Thailand war noch einmal ein Alptraum. Die dunklen Seiten meiner Reise warfen so tiefe Schatten über alles andere schöne was ich erfahren hatte. Ich hatte Seiten dieses Landes lieben gelernt im besonderen die Menschen. Ich hatte eine Vorliebe für das Essen entwickelt und das kulinarischen Abenteuer war toll gewesen. Das Wetter war grossartig, auch wenn es eigentlich zu heiss war. Dennoch, ich kam auf den Gedanken dass es bessere Länder in Südost Asien geben müsste. Ich war nicht die richtige Person für dieses Land auch wenn es noch so viele schöne Seiten hatte.  Was es noch einmal schlimmer machte war der Gedanke dass ich noch nicht einmal die übelsten Seiten des Landes gesehen hatte wie Patpong, Soi Cowboy oder Pattaya. Ich war auf einer alternativen Route gereist und das schockte mich am meisten. Wenn die Plätze die ich gesehen hatte schon so schlimm waren, wieviel übler war dann der Rest des Landes. 

Ich schlief bis zur Mittagszeit, kurz vor dem Check-Out an meinem letzten Tag in dem Land. Mein Flug war am Abend. Ich war fertig, wollte nichts mehr tun, nur zurück nach Deutschland. Ich buchte einen Fahrschein für den Zug nach Bangkok am späten Nachmittag.  Ich hatte Geschichten von Verkehrstaus in Bangkok gehört aber schätzte ein dass ich maximal vier Stunden von Bangkoks Hauptbahnhof zum Flugplatz bräuchte. Nun da wäre eine viel bessere Möglichkeit gewesen. Wie geplant kam ich am Hauptbahnhof vier Stunden vor Abflug an, ich hatte diese Zeit im Zug weitergeschlafen. Ich machte eine Ausnahme und nahm mir ein Taxi. Zu der Zeit gab es Berichte über Taxis die noch viel schlimmer waren als heutzutage. Die meisten Taxifahrer weigerten sich über das Taximeter zu fahren und bestanden auf Festpreise. Nun sind sie ja gezwungen das Meter anzustellen auch wenn manche immer noch denken alle Urlauber sind blöd. Das kann man auch in meinem Jatujak Guide auf http://khtkaufhausthailand.blogspot.de/ nachlesen. Wenn die sich übrigens heutzutage weigern auf Meter zu fahren, kann man auch eine offizielle Beschwerde einreichen. Jedoch, welcher Urlauber weiss das schon? Das arbeitet dann auch leider meistens in deren Interesse und nichts weiter passiert. Bürokratie und Korruption sind in Thailand immernoch zu viel vertreten. So, nun war ich also im Taxi und der Fahrer verhielt sich wie der klassische Stereotyp. Zuerst versuchte er mir anzubieten noch ein Bier vor meinem Abflug zu haben. Ich hatte schon von Fällen gehört wo Leute darauf eingehen und dann unter Drogen gesetzt alles verlieren. Manche treten auch  im Sarg die Heimreise an. Dann versuchte er das zweite offensichtliche anzubieten, zu einer Prostituierten zu gehen. Wieder einmal, wieso sollte ich das nun machen was ich am meisten über Urlauber verurteilte. Der Fahrer wurde nun schon sauer auf mich. Sein letzter Versuch war mir Heroin und Speed anzubieten. Nun hatte aber ich die Schnauze gewaltig voll. Der Knabe musste wohl noch niemals jemanden in seinem Auto gehabt haben der diese 'wertvollen kulturellen Dinge' seines Landes nicht schätzte. Als ich endlich am Flughafen ankam, gab ich ihm eine Menge Trinkgeld um meine Ruhe zu haben. Nun die Taxifahrt wäre noch nicht einmal notwendig gewesen. Vielleicht brachte dass ja auch den Fahrer auf den Gedanken dass ich unterbelichtet wäre. Alle Züge aus allen Richtungen fahren an dem alten Flughafen vorbei. Ich hätte nur aufpassen müssen und nicht schlafen und dann wäre ich viel bequemer angekommen. Nun somit hatte ich dann auch die Taxifahrt in Bangkok und weiss dass die Geschichten ueber die Taxifahrer keine Spukmärchen sind.

Meine letzten Eindrücke von dem Land. Ich auf dem Fussboden des Don Muang, rauchen war noch erlaubt, mit einer Zigarette in der Hand. Ich war glücklich nach Haus zu fliegen. Da blieben viele verrückte Gedanken hängen. Mein letzter Gedanke galt nicht ein Päckchen untergeschoben zu bekommen. Dann ist man nämlich auf der schlechtesten Karte im Monopoly hängengeblieben 'Gehen Sie Sofort ins Gefängnis!' Ich sah mich um und sah erschreckend viele Sexurlauber mit ihren hässlichen Mädchen. Ich weiss nicht ob diese Knaben ein komplett anderes Schönheitsideal hatten als ich. Ich hätte mich mit diesen übergewichtigen Mädels mit falschen Zähnen niemals eingelassen. Dann endlich war boarding time. Ein letzter Blick und 'Auf Wiedersehen Thailand. Ich glaube nicht dass wir uns so schnell wiedersehen.' Ich hätte niemals geglaubt dass ich noch im nächsten Jahr zurückkommen sollte.


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